MERAN | MERANO

Ich bin durch die Laubengasse geschlendert – jene mittelalterlichen Arkaden, die seit dem 13. Jahrhundert die Menschen vor Regen und Sommerhitze schützen – und habe mich gefragt, wie viele Schritte vor meinen hier schon ihre Geschichten hinterlassen haben. Adelige, Dichter, eine Kaiserin. Die Stadt trägt das alles mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit.

Eine Vergangenheit, die sich anfassen lässt

Meran wurde 1317 zur Stadt erhoben und war fast ein Jahrhundert lang das Herz der Tiroler Grafschaft. Ein Handelsplatz am Brennerpass, lebhaft und weltgewandt. Später, im 19. Jahrhundert, entdeckten Europas Adel und Künstler das milde Klima zwischen Ortler und Sarntaler Alpen. Kaiserin Sissi kam, kurte auf Schloss Trauttmansdorff – und mit ihr begann die Grandeur-Ära. Franz Kafka suchte hier Stille. Der Minnesänger Oswald von Wolkenstein lebte und starb in diesen Gassen. Meran hat eine Vergangenheit, die sich anfassen lässt, wenn man die Ruhe mitbringt hinzuhören.

Im Frühling, wenn der April die Hänge mit Blüten überhäuft, verwandelt sich die Stadt in ein lebendiges Gartenfestival. Seltene Orchideen, blühende Rosen, der Duft von Zypressen auf dem Tappeinerweg – vier Kilometer Panoramapromenade hoch über den Dächern, mit Blick auf Palmen und Bergspitzen gleichzeitig. Ja, Palmen. In den Alpen. Das ist kein Versehen der Natur, das ist Merans kleines, gut gehütetes Geheimnis.

Der Herbst bringt eine andere, reifere Schönheit. Das Traubenfest, das seit 1886 gefeiert wird, füllt die Gassen mit Most, Kastanien und Musik. Das Merano WineFestival zieht im November die besten Winzer des Landes an. Und das Törggelen – der alte Brauch, nach der Ernte in Buschenschänken einzukehren – ist kein Touristenprogramm, das ist gelebte Südtiroler Seele.

Was mich wirklich überrascht hat: Meran ist zweisprachig aufgewachsen – fifty-fifty Deutsch und Italienisch – und hat daraus keine Identitätskrise gemacht, sondern eine eigene Kultur. Die Altstadt mischt Mittelalter mit modernen Galerien. Die Therme Meran lädt mit radonhaltigem Wasser zur Entschleunigung ein.

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Schloss Trauttmansdorff

© Karlhein Sollbauer

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Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff

Enzo Destino antworte auf meine Frage:
Wenn man nur einmal nach Meran käme – welchen Ort dürfte man auf keinen Fall verpassen?

Wenn ich mich für einen Ort in Meran entscheiden müsstest, wäre es ohne Zweifel Schloss Trauttmansdorff mit seinen Gärten. Sie gelten als das unangefochtene Highlight der Stadt und wurden bereits als einer der schönsten Gärten der Welt ausgezeichnet. Er vereint Natur, Geschichte und spektakuläre Architektur auf eine Weise, die das Flair Merans perfekt widerspiegelt.

Dieser Ort ist ein Platz, an dem man langsamer wird. Nicht, weil man müde ist, sondern weil man plötzlich merkt, dass es sich lohnt, hier innezuhalten. Trauttmansdorff ist so ein Ort. Das Schloss thront über Meran wie ein gelber Leuchtturm. Als ich an einem Morgen Anfang April den ersten Weg hinaufstieg, roch die Luft nach einer Mischung aus Hyazinthe und nassem Stein. Der Geruch, den Südtirol im Frühling hat und den man nicht beschreiben, sondern nur einatmen kann.

Die Gärten sind gross, wirklich gross — zwölf Hektar, hundert Meter Höhenunterschied, über achtzig verschiedene Gartenlandschaften. Zahlen, die auf dem Papier nach Freizeitpark klingen. Vor Ort fühlen sie sich wie ein ruhiges Wunder an. Am Seerosenteich, gesäumt von zweihundert Palmen und duftenden Kamelien, habe ich eine Stunde gesessen und einfach nichts gedacht. Der Blick wanderte zu den schneebedeckten Gipfeln dahinter. Im April liegt noch Schnee auf den Bergen, und trotzdem sitzen hier Palmen. Diese Gleichzeitigkeit ist das Beste an Meran.

„Am Seerosenteich habe ich eine Stunde gesessen und einfach nichts gedacht — Palmen vor Schneegipfeln, und das macht hier vollkommen Sinn."

Wer meint, es gehe nur um Botanik, wird im Schloss selbst überrascht: Das Touriseum — das erste Museum Europas, das sich der Geschichte des Tourismus widmet — ist einer der klügsten und unterhaltsamsten Museumsbesuche, die ich seit Jahren hatte. Humorvoll, interaktiv, mit echter Haltung. Am Ende wartet der größte Tourismusflipper der Welt, das sogenannte Südtirol-Spiel. Ich habe zweimal gespielt. Ich schäme mich kein bisschen.

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