Der lange Weg über serpentinenreiche Straßen ins Herz des Vercors lohnt sich auf jeden Fall – allein schon für das Palégrié Chez l’Henri von Guillaume Montjuré. Als Enzo Destino habe ich diesen Aufstieg von München aus auf mich genommen, durch wilde Landschaften, und wurde mit einem Erlebnis belohnt, das die Esskultur neu definiert: roh, feurig und terroirverbunden.
Guillaume Montjuré, aufgewachsen in Touraine und den Alpilles, prägte seine Kindheit mit Landwirtschaft, Jagd und Märkten. Seine Karriere führte ihn zu Joël Robuchon in Paris, Olivier Roellinger in Cancale und ans Ruder im La Mamounia in Marrakesch. Mit Partnerin Chrystel Barnier, einer Top-Sommelierin, eröffnete er in der alten Familiengrange von „Henri“ in Méaudre das Palégrié – seit 2025 mit Michelin-Stern und grünem Stern für Nachhaltigkeit. Seine Philosophie: intuitiv kochen, emotional berühren, dem Terroir treu bleiben.
Montjuré kocht radikal nur auf Holzfeuer – kein Gas, keine Elektrizität. Rauchige Aromen durchdringen Gerichte aus lokalen Schätzen: Bio-Gemüse von Sisampas, Bleu-du-Vercors-Sasnakäse, wildes Gibier. Einflüsse aus Provence, Marokko oder Bretagne verschmelzen mit regionaler Robustheit. Menüs wechseln saisonal, rühren Gäste zu Tränen. Chrystels natürliche Weine runden das ab – eklektisch, passend zum rauchigen Charakter.
Warum unbedingt in den Vercors? Das Massiv, wild wie der Jura und größtes französisches Naturschutzgebiet, verbindet Abenteuer mit purer Küche. Hohe Wege, Höhlen und reine Bergluft schärfen den Hunger. Produkte schmecken intensiver, fernab städtischer Hektik. Nach Wanderungen durch Täler und Pässe landet man empfänglich im Palégrié: Feuer im Herd spiegelt Hirtenfeuer, Zutaten stammen aus dem gerade Erwanderten Boden. Es ist kulinarische Freiheit – libertär, unvergesslich.
Montjurés Kreationen gehen unter die Haut. Wer den Vercors meidet, verpasst authentisches Frankreich. Fahren Sie hin – der Aufstieg zahlt sich aus.





